Erste Eindrücke



Nach einer turbulenten ersten Woche mit vielen Eindrücken und Erlebnissen soll nun ein kurzer Zwischenbericht erfolgen. Dabei weis ich zwar grad nicht wo ich anfangen soll, aber gehen wir es einfach mal der Reihe nach durch.

Mein Flug verlief soweit ohne jegliche Komplikationen, allerdings war die Nacht am Londoner Flughafen recht unangenehm, da die Sitze alle aus Metall waren und auch noch so eine lästige Armlehne zwischen jedem Sitz hatten. Da war es echt schwierig ein paar Stunden Schlaf zu finden. Dennoch ging die Nacht schneller rum als erwartet und so konnte ich am nächsten Morgen einchecken - mein Abflug in die USA stand an. Dahin wollte an diesem Tag wahrscheinlich jeder, denn anders sind die endlosen Schlangen am Check-in-Schalter um 6 Uhr in der Früh nicht zu erklären. Nach über einer h Wartezeit war's dann aber geschafft, das Gepäck war aufgegeben und ich befand mich auf dem Weg ins duty-free-Land. Shooping ohne Steuern, aber eine kleine Flasche Wasser kostet dennoch fast 1,5 Euro. Nun gut im Flugzeug in die Staaten gab's ja eh ausreichend Verpflegung. Nervig war's nur, wenn man jedes Mal geweckt wurde, wenn man eingeschlafen war - den die nächste Mahlzeit oder ne Runde Getränke stand an. Gut ich hätte auch sagen können, dass man mich nicht wecken solle, aber dann haette ich ja was verpasst :)

In Chicago gab's dann einen Kurzaufenthalt, bei dem ich mal wieder ne Menge Spass beim Zoll hatte. Irgendwie musste ich jedenmal mein Handgepäck nahezu komplett ausrämen - Laptop raus, Kabel-Salat,... Aber das hielt mich am Ende auch nicht auf. Nachdem ich in Berlin und London die Prozedur schon durchlaufen hatte, war ich in den Staaten dann in der halben Zeit mit aus- und einräumen fertig - Übung macht halt den Meister :)

Nun endlich in Mexico angekommen, wurde ich gleich am Flughafen von einem Uniangestellten empfangen, der mich dann auch zur von mir gewünschten Adresse brachte, einem Hostel irgendwo in Guadalajara. Gerade einmal angekommen, wollte ich auch gleich die Stadt erkunden, aber das gestaltete sich schwerer als gedacht, denn sämtlich Stadtpläne beinhalten nur wenige Straßennamen und so ist man bei seiner Erkundungstour mehr mit Blöcken zählen beschäftigt, als mit sightseeing. Aufpassen sollte man nicht nur beim Überqueren der Straße - es gibt keine Fussgängerampel und Autos haben generel Vorfahrt - sondern auch auf dem Gehweg, der tiefe Löcher und von Wurzeln angehobene Wegplatten im Überfluss aufweist. Da kann man schon mal ne halbe Klettertour machen bzw. muss aufpassen, dass man nicht im nächsten Loch landet - wo man gut und gerne auf begraben werden könnte.

Am nächsten Tag konnte ich glücklicherweise schon weiterziehen - ein Austauschstudent, der uns im 3. Semester in Kufstein besuchte, bot mir Unterkunft bei ihm an. Da hab ich natürlich nicht nein gesagt, zumal dessen Apartment in unmittelbarer Nähe zur Uni ist.

Zur Uni gibt es natürlich auch einiges zu sagen: Als erstes hätte ich mir das International Student Handbook mal durchlesen sollen! Dann hätte ich nämlich schon ganz andere Sachen mitgenommen. Da ich hier auf eine private Uni gehe, gibt es neben dem Kleidungsstil (Herren immer in langer Hose, zuhen Schuhen und angepasster Kleidung) auch noch eine Menge anderer Vorschriften gibt, hab ich schon echt gestaunt, als ich am Montag meinen ersten Tag hier verbringen durfte. Herren ist es nicht gestattet einen Bart zu haben, Ohrringe/Piercings zu tragen bzw. lange Haare zu haben. Da werd ich mich in Zukunft sicher noch auf was gefasst machen muessen. Außerdem wird die Uni von einem 3m hohen Metallzaun umsäumt; an den 3 Eingängen stehen bewaffnete Security und kontrollieren jeden auf seinen Ausweis. Alle die nicht einen Ausweis/Genehmigung haben kommen so garnicht erst auf's Unigelände.

Da der Besitzer der Uni sehr reich zu sein scheint, gibt's hier einen eigenen Fussballclub - Estudiantes (Studenten) - der sogar in der ersten Liga spielt. So ein Fussballverrücktes Volk wie die Mexicaner hab ich glaube ich auch noch nicht gesehen. Wenn immer ich an der Uni vorbei, zur oder aus der Uni gehe, wird trainiert. Von früh - schätzungsweise um 8 bis in den späten Nachmittag - dabei wird Nachwuchsarbeit auch ganz groß geschrieben, denn auf den hier vorhandenen 4 Fussballfeldern ist nie Ruhe. Einzig im großen Stadio war die letzte Woche noch nicht soviel los. Da lag aber auch daran, dass die 1. Herren-Mannschaft zum Trainingslager in Europa war und am Freitag dann die Mannschaftspräsentation für die neue Saison anstand - die geht am kommenden Freitag los.

Das restliche Unigelände ist meines Erachtes der bisher sauberste Ort den ich in Mexico gesehen hab. Im Gegensatz zu den Straßen liegt hier nirgends Müll rum. Die Gebäude sind größtenteils auch modern ausgestattet.

Kommen wir also zum Sprachkurs. Nach einem 90 min Einstufungstest am Monatg, bei dem ich mich auf Anhieb für Level 3 "qualifizieren" konnte, ging's dann auch gleich schon mit dem Konversationskurs los, bei dem ich sogar den Großteil verstanden habe. Dass sollte sich aber in den nächsten Tagen ändern, denn das Tempo wurde täglich verschärft. Nach 2h Grammatikkurs am Morgen stehen ab 11 Uhr jeden Tag anschließend noch 2h Konversation auf dem Programm. Da es beide Mal unterschiedliche Lehrer sind, gibt's natürlich auch jeden Tag 2 Mal Hausaufgaben auf - so kann man davon ausgehen, dass man jeden Abend nochmal mindestens 1h damit verbringt, Texte zu schreiben, Grammatik oder Vokabeln zu lernen. Wenn ich bedenke, dass ich jetzt noch weitere 3 Wochen vor mir habe und anschließend auch im regulären Semester jeden Tag Spanischvorlesung habe, kann ich jetzt schon sagen, dass ich ne ganze Menge lernen werde. Aber das muss ich so oder so, denn in den bisherigen "auf der Straße" Gesprächen, hab ich noch nicht wirklich viel mitbekommen. Da wird einfach ein ganz anderes Sprachtempo an den Tag gelegt.

Am Mittwochabend waren wir dann in einem rießigen Billard/Bowlingcenter, wo es ca. 10 Bowlingbahnen und min. 20 Billardtische gibt. Abgesehen von Paco und dessen Bruder waren auch noch eine ganze Menge anderer Studenten aus seinem Kurs dabei. Nach gut 2h "meisterlichen" Billiards und einer Menge Spass, durfte ich dann noch eine Runde mit im Pick-up fahren. Das war mal ein Erlebnis, denn hier in Mexico wird glaube ein wenig anders Auto gefahrn als bei uns. Wer hier nicht in Schlängellinie Autos überholt, der kann wahrscheinlich nicht Auto fahrn. Ach ja, und da eh Nacht ist und somit ein bisschen weniger Verkehr, werden gleich mal alle Ampel überfahrn, egal ob da grad rot, geld oder grün ist. Im Anschluss an unsere kleine Stadtrundfahrt fanden wir uns in einem kleinen Restaurant wieder, wo wir Tacos essen waren. Haben ziemlich gut geschmeckt, auch wenn ich mir auf einen ein wenig zu viel Chili gemacht hab. Ohne Chili wird hier irgendwie nichts gegessen - und so verwundert es auch nicht, wenn jeder Löffelweise scharfe Flüssigkeit auf sein Essen schüttet. Das sind wir Europäer einfach nicht gewöhnt und so bin ich bei dieser kleinen Mahlzeit um Mitternacht noch ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Am Freitag konnte ich bereits wieder umziehen. Das Apartment, welches wir so oder so ab kommendem Dienstag bezogen hätten, stand nämlich schon frei und so hab ich kurzerhand bei der Vermieterin nachgefragt ob ein Einzug am Wochenende schon möglich ist. Diese sagte mir kurzerhand für Freitag einen Termin und so konnte ich als ersten von uns 3 Kufsteinstudenten schon einziehen. Das Haus ist echt der Hamma - es gibt eine Stube mit Küche im Anschluss, 3 Toiletten und 3 Zimmer und noch eine kleine Terasse. Alles scheint ganz gut zu sein, auch wenn die ersten Tage das Gas noch nicht angeschlossen war und ich somit weder kochen noch warm duschen konnte - aber so ne kalte Dusche an solch heißen Tagen tuht ja auch ganz gut und ist gesund :)

Nun wo wir so nach und nach in unser neues Zuhause einziehen werden, müssen natürlich eine Menge Einkäufe getätigt werden. Nur einen Häuserblock weiter befindet sich ein riesiger Fischmarkt, der aber auch sonst eine Menge zu bieten hat. Da können wir uns schon eine Weile versorgen und wenn doch mal was fehlt, gibt's hier überall Läden, die 24 h offen haben. Die Preise für Verpflegung sind im Gegensatz zu Kufstein auch um Klassen preiswerten und so bin ich der Meinung, dass wir im nächsten halben Jahr wohl eher zunehmen als verhungern werden - und an den Chili gewöhnt man sich ja auch :)



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