Abiball 2006


































































Zum Abschluss fehlt nun noch unsere Abirede
made by Elsi & Tobias

Sehr geehrte Gäste, Herr Jähnel, Herr Juknat, Frau Münch, Frau Haufe, Herr Atzler, Lehrerinnen und Lehrer, liebe Mütter und Väter, liebe Schwestern und Brüder, liebe Omas und Opas, liebe Tanten und Onkels, Großneffen...

(Abbruch durch Redepartner)

also, liebe Gäste,
wir, Elisabeth Bludau und Tobias Schulz,
heißen sie herzlich Willkommen
zum Abschlussball des Jahrgangs 2006 des Werner- Heisenberg- Gymnasiums.

Am heutigen Tage tragen die Bauern ihre Ernte ein und wir, die herangereiften Kohlrabiknollen werden uns vom Acker machen. Während der vergangenen 8 Jahre unserer Entfaltung wurden wir sowohl durch die Pflege, als auch Nachlässigkeit unserer Landwirte geprägt, aber auch durch Selektion und Integration der Kohlrabi-Banden, Streifzüge durch andere Böden und das Umsorgen unseres eigenen Ackers.

Als zarte Pflänzchen kamen wir nach dem Grundstadium unseres Wachstums auf die humusreichen Äcker des Werner- Heisenberg- Feldes. Nach Herkunft und Masse wurden wir den 3 Sektoren von Fliederbäuerin Münch, Proviantzuteilerin Haufe und Froschschenkelgenießerin Schwarz zugeteilt. Während Bäuerin Münch ihre Zöglinge besonders hingebungsvolle umsorgte, mussten sich die anderen Kohlrabis deutlich schneller sozialdarwinistischen Herausforderungen, wie Essenschlachten, Telefonstreichen und verbalen Wortgefechten mit älteren Kohlrabis stellen. Besonders behütet wurden die Knöllchen wenn sie auf große Reise gingen. In unvergesslicher Erinnerung blieben uns hierbei Holger Holunder und sein spektakulär hochentwickeltes Gehör für einheimische Vögel.

Schon bald wurden wir in einer großen Züchtungsauslese nach Hirnmasse in die Normalen und die Unnormalen Pflanzen getrennt. An letztere wurden unnormal hohe Anforderungen im Bereich der Naturwissenschaften gestellt, die in der Tradition des Werner- Heisenberg- Feldes lagen. Der Repräsentation dienend und die Ehre des Ackers erhaltend sollten wir nationalen und internationalen Ernteschauen beiwohnen, doch diesen Ansprüchen wurden nur einige Spezialknollen gerecht.

Während die normalen Kohlrabis deutlich schneller die Pubertät durchschritten, löste bei den Unnormalen ein markenbewusster Lacoste- und Lederfetischist, der uns nur selten mit seiner Anwesenheit beehrte, durch kurzzeitig mangelnde Pflege einen Entwicklungsrückstand aus. Dieser Übergangsbauer wurde daraufhin schleunigst durch einen erfahrenen Vorzeigebauern namens Norbert Atzler ersetzt.

Um die Zusammengehörigkeit aller Kohlrabis wieder zu festigen, starteten wir im 8. Feldjahr eine Exkursion in die so selten bereisten Frostböden des Erzgebirges. Nachdem der Kohlrabi mit der Kennung M.L. aus G. von einem bösartigen Virus befallen wurde, der zu starkem Auswurf und Missbehagen führte und sich rasend verbreitete, dezimierte sich die teilnehmende Pflänzchenanzahl täglich. Durch das gemeinschaftliche Speien wurde die Verbundenheit unter den Normalen und Unnormalen wiederbelebt. Auch dazu bei trug ein Seminar über das kollektive Überstrüffeln von Kondomen auf Holzpenisse. Einzelne Kohlrabis gingen sogar symbiotische Beziehungen ein. Unüberbrückbare Differenzen führten jedoch zur baldigen Auflösung. Weitere Dramen vollzogen sich infolge der Verabschiedung in den Ruhestand der altbewährten Spezi-Landwirte, wie dem Kreidebauern Dr. Kertzsch, Nachtigallzüchterin Freude, Arbeitsbienchen Wingert und Drehmaschinenexperte Witzel.

Es folgten eher unspektakuläre Jahre, in denen wir zwar von unseren Landwirten gedüngt wurden, wie durch kulturelle Großereignisse, beispielsweise den Besuch des Musicals "Cats" oder Beiträgen kleinerer Arbeitskreise des Feldes, mit Medien-Bestrahlung mittels Filmen wie "Kevin allein in New York", sowie Blättergymnastik unter Leitung der schallendsten Bauern. Eine Erschöpfung des Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Kohlrabi- verbände erleichterte den Übergang in die Reifestufe II. jedoch.

Die bedeutendste Separation unserer Zeit auf dem Werner- Heisenberg- Feld vollzog sich zu Beginn des 11. Ackerjahres. Nach der Öffnung aller 3 Sektoren musste jeder Kohlrabi selbstständig für seine Reifung sorgen und die 3 Landwirte Münch, Haufe und Atzler beobachteten die Entwicklung zunehmend vom Feldrand aus.

Auf der Suche nach den 15 essentiellen Nährstoffen mussten sich die Kohlrabis schier endlosen Härtetest verschiedenster Anforderungen stellen, hierbei wurden unsere erhitzen Köpfe immer wieder durch selbstgebackenen und vor Frische über das ganze Feld duftenden Ziegenbalk'schen Kuchen gestärkt, wir bedanken uns für diesen Genuss.
Versuche, diesen durch Popcorn zu ersetzten schlugen fehl.
Erholung von den Strapazen des Alltages boten die Exkursionen, die einen Großteil der Knollen in die weite Welt verstreuten, ob zur Queen nach London, zu Erotik in Paris, Kultur in Erfurt, Theater in Bautzen oder lange Weile in den Tiefen Freibergs.

Die ungewohnten Freiheiten in der Wachstumsstufe II. bargen allerdings auch allerhand Tücken. Als die Bauern in Dresden aufständisch demonstrierten und die Kohlrabis den Grill unerlaubterweise auf dem Ebertplatz, der seit dem Vorhaben "Rauchfreie Schule" als Raucherinsel fungiert, anfeuerten, soll es zu schweren Gerüchten über die angeblich asozialen Zustände auf dem Kohlrabifest gekommen sein. Leider schlug der Bauernaufstand fehl, sodass wir uns im 12. Jahr unseres Wachstums mit größeren Kursen und weniger Bauern zufrieden geben mussten.

Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung war auch die Umackerung flurnahen Geländes in den letzten Wochen unseres Feldaufenthalts. Fast unpflänzliche Strapazen mussten die Knollen trotz höchster Temperaturen und einer Dürre über sich ergehen lassen. Wasser und Beeisung sollten hierbei eine Seltenheit bleiben.

An dieser Stelle sollten wir jedoch von der Kritik absehen, denn wir wollen heute Abend die vollendete Reife unserer Frucht bejubeln. Und wir hoffen dass auch sie, werter Herr Landwirtschaftsminister Jähnel, diesen Abend als Anlass zum Feiern nutzen und unserem Erntejahrgang vielleicht etwas positiv in Erinnerung behalten können.

Nach zwölf Jahren intensiver Pflege durch die Bauern und harten Wachstumsphasen sind wir nun zu saftigen, knackigen und nährsalzreichen Kohlrabis gewachsen und bereit für den Export in alle Welt.
Wir danken unseren Züchtern daheim für das Einstreuen der Saat, sowie dafür, dass wir immer ein Gewächshaus, als Schutz gegen den saueren Regen, über dem Kopf hatten. Auch standet ihr uns immer mit Rat und Tat zur Seite, gabt uns Rückhalt in der Zeit der Prüfungen und halft uns sowohl finanziell, als auch seelisch.

Weiter Dank gilt unserer Kohlrabikönigin Frau Lippert, unserem Landwirtschaftsminister Jähnel, allen Bäuerinnen und Bauern, dem technischen Personal, dem Hausmeister.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit, wir wünschen ihnen noch einen wunderschönen Abend.

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